Der nachfolgende Artikel aus der britischen Tageszeitung 'The Guardian' stammt zwar aus dem Jahr 2004, ist aber zeitlos brisant und m.E. bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt worden. Der Dank für die umfangreiche Übersetzungsarbeit geht an Lukas!

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Gerüchte über eine Verbindung zwischen der US-Präsidentenfamilie und der Nazi-Kriegsmaschinerie zirkulieren schon seit Jahrzehnten. Jetzt kann der Guardian enthüllen wie die Nachwirkungen von Ereignissen, die in einer Strafverfolgung unter dem 'Handel mit dem Feind'-Gesetz gipfelten, noch immer den heutigen Präsidenten betreffen.

Original von Ben Aris und Duncan Campbell
The Guardian
Samstag, 25. September 2004

Deutsche Übersetzung: Lukas / ronpaul.blog.de

George Bushs Großvater, der späte US-Senator Prescott Bush, war Direktor und Aktionär von Firmen, die aus ihren Verbindungen zu den finanziellen Unterstützern Nazi-Deutschlands profitierten. Der Guardian hat nun von neu entdeckten Akten aus den US-Nationalarchiven Bestätigung erhalten, dass ein Unternehmen, von dem Prescott Bush Direktor war, mit den finanziellen Architekten des Nationalsozialismus involviert war.

Seine Geschäfte, die sich fortsetzten, bis 1942 das Vermögen seiner Firma unter dem 'Handel mit dem Feind'-Gesetz beschlagnahmt wurde, führten nun mehr als 60 Jahre später in Deutschland zu einer zivilrechtlichen Klage von zwei ehemaligen Zwangsarbeitern aus Auschwitz um Schadensersatz gegen die Bush-Familie und zu einer sich anbahnenden Kontroverse im Vorfeld der Wahl.

Die Beweise haben ebenfalls einen ehemaligen US-Staatsanwalt für Nazi-Kriegsverbrechen dazu veranlasst, die Handlungen des Senators als Grund für eine strafrechtliche Verfolgung wegen Unterstützung des Feindes vorzubringen.

Die Debatte um Prescott Bush's Verhalten brodelt nun schon seit einiger Zeit unter der Oberfläche. Im Internet gab es beständig Gespräche und Gerüchte über die "Bush/Nazi"-Verbindung, vieles davon ungenau und unfair. Aber die neuen Dokumente, von denen viele erst letztes Jahr freigegeben wurden, zeigen, dass sogar nachdem Amerika in den Krieg eingetreten ist und es bereits signifikante Informationen über die Pläne und die Politik der Nazis gab, er für Unternehmen gearbeitet und von ihnen profitierte, die eng mit eben jenen deutschen Firmen involviert waren, die Hitlers Aufstieg zur Macht finanzierten. Es wurde ebenfalls angedeutet, dass das Geld aus diesen Geschäften geholfen hat, den Grundstein für das Familienvermögen der Bushs und ihre politische Dynastie zu legen.

Auffallenderweise wurden nur wenige von Bush's Geschäften öffentlich untersucht, teilweise aufgrund des geheimen Status der Aufzeichnungen, die ihn betrafen. Doch nun drohen die Klage der zwei Überlebenden des Holocaust um mehrere Milliarden Dollar Schadensersatz gegen die Bush-Familie und die bevorstehende Veröffentlichung von drei Büchern über dieses Thema, die geschäftliche Vergangenheit von Prescott Bush zu einer unangenehmen Angelegenheit für seinen Enkel, George W., der die Wiederwahl anstrebt, zu machen

Obwohl es keine Hinweise gibt, dass Prescott Bush ein Sympathisant der Naziideologie war, enthüllen die Dokumente, dass das Unternehmen für das er arbeitete, Brown Brothers Harriman (BBH), als eine Art US-Basis für den deutschen Industriellen Fritz Thyssen fungierte, der in den 1930ern Hitler finanzierte, bevor er sich mit ihm Ende des Jahrzehnts zerstritt. Der Guardian hat Beweise gesehen, die zeigen, dass Bush der Direktor der in New York ansässigen Union Banking Corporation (UBC) war, die Thyssens US-Interessen vertraten, und dass er noch weiter für die Bank arbeitete, nachdem Amerika in den Krieg eingetreten war.

Fürchterliche Verlockung

Bush war ebenfalls im Vorstand von mindestens einer Firma, die einen Teil eines multinationalen Netzwerks von Unternehmen formte, das Thyssen ermöglichte, sein Vermögen um die Welt zu bewegen.

Thyssen war Besitzer des größten Stahl- und Kohleunternehmens in Deutschland und wurde reich durch Hitlers Bemühungen, Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen wieder zu bewaffnen. Ein Pfeiler in Thyssens internationalem Firmennetz, UBC, hat ausschließlich gearbeitet für und wurde besessen von einer von Thyssen kontrollierten Bank in den Niederlanden. Noch pikanter sind Bush's Verbindungen zur Consolidated Silesian Steel Company (Vereinigtes Schlesisches Stahl Unternehmen; CSSC), welches seinen Sitz im mineralreichen Schlesien an der deutsch-polnischen Grenze hat. Während des Krieges machte das Unternehmen Gebrauch von den Zwangsarbeitern aus den Konzentrationslagern der Nazis, Auschwitz eingeschlossen. Der Besitzer des CSSC wechselte einige Male in den 1930ern, aber letztes Jahr freigegebene Dokumente aus den US-Nationalarchiven zeigen eine Verbindung zwischen Bush und dem CSSC, obwohl es nicht eindeutig ist, ob er und die UBC noch mit der Firma involviert waren, nachdem Thyssen's Vermögen in Amerika 1942 beschlagnahmt wurde.

Drei Archivreihen verdeutlichen Prescott Bush's Verwicklung. Alle Drei sind, dank eines effizienten US-Archivsystems und dem hilfsbereiten und engagierten Personal, sowohl der Bibliothek des Kongresses in Washington, als auch der Nationalarchive an der Universität von Maryland, ohne Probleme verfügbar.

Die ersten Dokumente, die Harriman Papiere in der Bibliothek des Kongresses, zeigen, dass Prescott Bush ein Direktor und Teilhaber einer Reihe von Unternehmen war, die mit Thyssen involviert waren.

Die zweiten Papiere, welche in den Nationalarchiven zu finden sind, sind in der Übertragungsordnung Nummer 248 enthalten, welche die Beschlagnahmung des Firmenvermögens aufzeichnen. Was diese Akten zeigen, ist, dass am 20. Oktober 1942 der Aufseher für ausländischen Besitz die Vermögenswerte der UBC, bei der Prescott Bush Direktor war, beschlagnahmte. Nach genauerer Betrachtung der Geschäftsbücher wurden noch weitere Beschlagnahmungen gegen zwei Tochtergesellschaften, die Holland-American Trading Corporation und die Seamless Steel Equipment Corporation, durchgeführt. Bis November war auch die Silesian-American Company (SAC), eines von Prescott Bush's weiteren Unternehmen, gepfändet.

Die dritte Dokumentenreihe, ebenfalls aus den Nationalarchiven, ist enthalten in den Akten über IG Farben, die wegen Kriegsverbrechen angeklagt wurde.

Ein Bericht, der vom Büro für ausländischen Besitz 1942 herausgegeben wurde, stellt über diese Firmen fest, dass "seit 1939 diese (Stahl und Bergbau) Eigentümer von der deutschen Regierung besessen und betrieben wurden und dass diese ohne Zweifel eine beachtliche Hilfe für die Kriegsbemühungen dieses Landes waren."

Prescott Bush, ein 1,93m großer Charmeur mit einer prächtigen Singstimme, war der Gründer der politischen Dynastie der Bushs und wurde einst selbst als potentieller Präsidentschaftskandidat angesehen. Wie sein Sohn George und sein Enkel George W. besuchte er die Yale Universität, wo er, wie auch seine Nachkommen, ein Mitglied der geheimnisvollen und einflussreichen Skull and Bones Studentenvereinigung war. Im ersten Weltkrieg war er ein Artilleriehauptmann und heiratete 1921 Dorothy Walker, die Tochter von George Herbert Walker.

1924 half ihm sein Schwiegervater, ein bekannter Investmentbanker aus St Louis, ein Geschäft zusammen mit Averill Harriman, dem reichen Sohn des New Yorker Eisenbahnmagnaten E.H. Harriman, der ins Bankwesen eingestiegen war, in New York anzufangen.

Einer der ersten Jobs, die Walker an Bush vergab, war das Management von UBC. Bush war ein Gründungsmitglied der Bank und die Firmendokumente, die Ihn als einen von sieben Direktoren auflisten, zeigen, dass er einen Anteil im Wert von 125 Dollar von UBC besaß.

Die Bank wurde von Harriman und Bush's Schwiegervater gegründet, um eine US-Bank für die Thyssens, Deutschlands mächtigste Industriefamilie, bereitzustellen.

August Thyssen, der Gründer der Dynastie, leistete einen bedeutenden Beitrag zu Deutschlands Kriegsanstrengungen im ersten Weltkrieg und in den 1920ern errichteten er und seine Söhne Fritz und Heinrich ein Netzwerk aus Banken und Unternehmen in Übersee, um ihre Wirtschaftsgüter und ihr Geld im Handumdrehen im Ausland in Sicherheit zu bringen, falls sie wieder bedroht werden sollten.

Als Fritz Thyssen das Unternehmensimperium 1926 erbte, kam Deutschlands wirtschaftliche Erholung ins Stocken. Nachdem er Adolf Hitler reden hörte, war Thyssen fasziniert von dem jungen Aufrührer. Er trat der Nazipartei im Dezember 1931 bei und in seiner Autobiographie, "I Paid Hitler", gibt er zu, Hitler unterstützt zu haben, als die Nationalsozialisten noch eine radikale Randpartei waren. Er sprang einige Male ein, um der strauchelnden Partei aus der Klemme zu helfen: 1928 hat Thyssen das Palais Barlow in der Briennerstraße in München gekauft, welches Hitler in das Braune Haus umwandelte, das Hauptquartier der Nazipartei. Das Geld kam von einem anderen Überseeunternehmen Thyssens, der Bank voor Handel en Scheepvaart aus Rotterdam.

Bis in die späten 1930er hinein kauften und verschifften Brown Brothers Harriman, welche behaupteten, die weltgrößte private Investmentbank zu sein, und die UBC Gold, Treibstoff, Kohle und US-Schatzbriefe im Wert von mehreren Millionen Dollar nach Deutschland, um dort Hitlers Kriegsvorbereitungen zu nähren und zu finanzieren.

Zwischen 1931 und 1933 kaufte die UBC Gold im Wert von mehr als 8 Millionen Dollar, von denen 3 Millionen nach Übersee verfrachtet wurde. Laut Dokumenten, die vom Guardian eingesehen wurden, überwies die UBC, nachdem sie eingerichtet wurde, 2 Millionen Dollar an Brown Brothers Harriman-Konten und zwischen 1924 und 1940 schwebte der Vermögenswert der UBC um die 3 Millionen Dollar; er fiel nur in wenigen Fällen auf 1 Millionen Dollar.

1941 floh Thyssen aus Deutschland, nachdem er sich mit Hitler zerstritten hatte, wurde jedoch in Frankreich festgenommen und für den Rest des Krieges eingesperrt.

Es war nicht illegal, während der 1930er mit den Thyssens Geschäfte zu machen und viele von Amerikas bekanntesten Unternehmen investierten stark in den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands. Jedoch änderte sich alles, nachdem Deutschland 1939 in Polen einmarschierte. Sogar dann könnte man noch anführen, dass Brown Brothers Harriman seine Geschäfte rechtmäßig mit den Thyssens bis Ende 1941 weiterführte, da die USA eigentlich neutral waren, bis zum Angriff auf Pearl Harbor. Die Probleme begannen am 30. Juli 1942, als der New York Herald-Tribune einen Artikel mit dem Namen "Hitlers Engel hat 3 Millionen Dollar in US Bank" veröffentlichte. Die riesigen Goldeinkäufe der UBC haben Verdacht erregt, dass die Bank in Wahrheit ein in New York verstecktes "geheimes finanzielles Polster" für Thyssen und andere Nazibonzen war. Das Amt für ausländischen Besitz (Alien Property Commission; APC) startete eine Untersuchung.

Es gibt keinen Zweifel darüber, dass die US-Regierung eine Kette von Eigentümern von Brown Brothers Harriman - UBC und SAC eingeschlossen - im Herbst 1942 durch das 'Handel mit dem Feind'-Gesetz beschlagnahmte. Was jedoch debattiert wird, ist, ob Harriman, Walker und Bush noch mehr taten, als diese Firmen auf dem Papier zu besitzen.

Erwin May, ein Attaché des Finanzministeriums und Beamter der Ermittlungsabteilung des APC, wurde angewiesen, die Geschäfte der UBC genauer zu untersuchen. Die erste Tatsache, die auftauchte, war, dass Roland Harriman, Prescott Bush und die anderen Direktoren ihre Anteile an der UBC nicht wirklich selbst besaßen, sondern sie nur im Interesse der Bank voor Handel hielten. Seltsamerweise schien es, dass niemand, nicht einmal der Präsident der UBC, wusste wer die Rotterdamer Bank besaß.

May schrieb in seinem Bericht vom 16. August 1941: "Die Union Banking Corporation, gegründet am 4. August 1924, wird vollständig besessen von der Bank voor Handel en Scheepvaart N.V aus Rotterdam, Niederlande. Meine Untersuchungen geben keinen Aufschluss über den Besitzer der niederländischen Bank. Mr. Cornelis [sic] Lievense, Präsident der UBC, behauptet, nichts über den Besitzer der Bank voor Handel zu wissen, glaubt jedoch, dass es möglich ist, dass Baron Heinrich Thyssen, der Bruder von Fritz Thyssen, einen beachtlichen Anteil besitzt."

May entledigte die Bank der Goldreserven der Nazi-Anführer und machte weiter mit der Enthüllung eines Firmennetzwerks, dass sich von der UBC über Europa, Amerika und Kanada ausbreitete, und wie zu diesen Firmen über die UBC Geld von der Bank voor Handel floss.

Bis September hatte May die Ursprünge der nicht-amerikanischen Vorstandsmitglieder zurückverfolgt und fand heraus, dass der Niederländer HJ Kouwenhoven - der sich mit Harriman 1924 getroffen hatte, um die UBC zu gründen - noch einige weitere Berufe hatte: Zusätzlich zum Amt des Direktors der Bank voor Handel, war er außerdem Direktor der August Thyssen Bank in Berlin und ein Direktor von Fritz Thyssen's Vereinigte Stahlwerke AG, die Dachgesellschaft, die Thyssen's Stahl- und Kohleminenimperium in Deutschland kontrollierte.

Binnen weniger Wochen sendete der Leiter der APC Untersuchungs- und Forschungsabteilung, Homer Jones, ein Memo an das Exekutivkomitee des APC, in dem er empfahl, die US-Regierung sollte die UBC und ihr Vermögen übernehmen. Jones nannte die Namen der Direktoren in dem Memo, auch Prescott Bush's Namen, und schrieb: "Genannter Fond wird besessen von den oben genannten Personen, jedoch nur als Vertreter der Bank voor Handel, Rotterdam, Niederlande, welche sich im Besitz von einem oder mehreren Mitgliedern der Thyssen Familie, die deutsche und ungarische Staatsangehörige sind, befindet. Die 4000 Aktien sind daher, wie vorhergehend erklärt, vorteilhaft und eine Hilfe für die Interessen dieser feindlichen Staatsangehörigen und sind von der APC zu beschlagnahmen." So lautet es im Memo aus den Nationalarchiven, das vom Guardian eingesehen wurde.

In Flagranti

Jones empfahl, dass das Vermögen zum Wohle der Regierung aufgelöst wird, stattdessen wurde die UBC aber intakt gelassen und kehrte schließlich nach dem Krieg zu den amerikanischen Aktionären zurück. Einige behaupten, dass Bush seine Aktien an der UBC nach dem Krieg für 1,5 Millionen Dollar verkaufte - eine riesige Menge Geld zu der Zeit - es gibt jedoch keinen aktenmäßigen Beweis, der diese These unterstützt. Es wurde weder weiteres unternommen, noch wurde die Untersuchung fortgesetzt und das, obwohl die UBC in flagranti erwischt wurde, wie sie acht Monate, nachdem Amerika in den Krieg eingetreten war, als eine amerikanische Mantelgesellschaft für die Thyssen-Familie gearbeitet hatte und obwohl dies die Bank war, die zu einem Teil Hitlers Aufstieg zur Macht finanziert hatte.

Der delikate Teil der Geschichte verbleibt geheimnisumwoben: Die Verbindung, wenn es je eine gab, zwischen Prescott Bush, Thyssen, der Consolidated Silesian Steel Company (CSSC) und Auschwitz.

Thyssen's Partner in den United Steel Works, welche Kohle- und Stahlwerke in der ganzen Region hatten, war Friedrich Flick, ein weiterer Stahlmagnat, der ebenfalls Teilhaber von IG Farben, einem mächtigen deutschen Chemieunternehmen, war.

Flick's Anlagen in Polen gebrauchten viele Zwangsarbeiter aus den polnischen Konzentrationslagern. Laut einem New York Times Artikel, der am 18. März 1934 erschien, besaß Flick Zweidrittel der CSSC, während "amerikanische Interessen" den Rest hielten.

Die Dokumente aus den US-Nationalarchiven zeigen, dass BBH's Beziehungen zu CSSC mehr waren als nur Aktienbesitz in der Mitte der 1930er. Bush's Freund und Kamerad von 'Skull and Bones', Knight Woolley, ein weiterer Partner von Brown Brothers Harriman, schrieb eine Warnung an Averill Harriman im Januar 1933 in dem er vor Problemen mit CSSC warnte, nachdem die Polen mit ihrem Plan begannen, das Werk zu verstaatlichen. "Die Situation um die Consolidated Silesian Steel Company wurde zunehmend komplizierter und ich habe folglich Sullivan und Cromwell hinzugezogen, um sicher zu gehen, dass unsere Beteiligungen geschützt sind", schrieb Knight. "Nachdem er die Situation genauer untersucht hatte, bestand Foster Dulles darauf, dass deren Mann in Berlin auf den Plan tritt und die Informationen der Direktoren dort erlangt. Ihr werdet euch erinnern, dass Foster ein Direktor ist und dass er besonders darum bemüht ist, sicher zu sein, dass keine Verantwortung an die amerikanischen Direktoren geknüpft ist."

Jedoch ist unklar, wer der Besitzer der CSSC zwischen 1939, als die Deutschen Polen besetzten, und 1942, als die US Regierung die Union Banking Corporation und Silesian-American Company enteignete, war.

"Die SAC besaß Kohleminen und war ebenfalls definitiv der Besitzer der CSSC zwischen 1934 und 1935, aber als die SAC enteignet wurde, war jegliche Spur zur CSSC verschwunden. Alle konkreten Beweise über den Besitzer verschwinden nach 1935 und es gibt nur wenige Spuren aus den Jahren 1938 und 1939", sagt Eva Schweitzer, die Journalistin und Autorin, deren Buch, "America and the Holocaust", nächsten Monat erscheinen wird.

Schlesien wurde nach der Invasion schnell ein Teil des Deutschen Reichs, aber während die polnischen Fabriken von den Nazis beschlagnahmt wurden, wurden die Fabriken der immer noch neutralen Amerikaner (und die Angehöriger anderer Staaten) mit größerer Vorsicht behandelt, da Hitler noch darauf hoffte, die Amerikaner überzeugen zu können, sich als neutrales Land nicht am Krieg zu beteiligen. Schweitzer sagt, dass die amerikanischen Teilhaber von Fall zu Fall unterschiedlich behandelt wurden. Die Nazis kauften einige auf, andere wurden in Ruhe gelassen.

Die beiden Holocaust-Überlebenden, die die US-Regierung und die Bush-Familie um insgesamt 40 Milliarden Dollar Schadensersatz verklagen, behaupten, dass beide wesentlich von Zwangsarbeitern aus Auschwitz während des zweiten Weltkriegs profitierten.

Kurt Julius Goldstein, 87, und Peter Gingold, 85, starteten 2001 in Amerika eine Sammelklage, aber der Prozess wurde von Richterin Rosemary Collier mit der Begründung, dass die Regierung aufgrund des Grundsatzes der "Staatssouveränität" nicht verantwortlich gemacht werden kann, abgewiesen.

Jan Lissmann, einer der Anwälte der Überlebenden, sagte: "Präsident Bush annullierte Präsident Bill Clintons Unterschrift unter dem Vertrag [den das Gericht anführte], nicht nur um Amerika vor Gefahren zu bewahren, sondern auch um sich selbst und seine Familie zu schützen."

Lissmann argumentiert, dass Völkermords-bezogene Fälle vom internationalem Recht abgedeckt werden, welches Regierungen für ihre Handlungen verantwortlich hält. Er behauptet, dass das Urteil ungültig sei, da keine Anhörung stattfand.

In ihren Forderungen behaupten Mr. Goldstein und Mr. Gingold, der Ehrenvorsitzender des Antifaschistenbundes ist, dass die Amerikaner über die Vorgänge in Auschwitz Bescheid wussten und das Lager hätten bombardieren sollen.

Die Anwälte stellten außerdem einen Antrag an Den Haag, in dem sie fragten, ob Staatssouveränität ein gültiger Grund ist, es abzuweisen, den Fall anzuhören. Eine Entscheidung wird innerhalb eines Monats erwartet.

Die Petition an Den Haag bringt vor: "Seit April 1944 hätte die American Air Force die Lager sowie die Eisenbahnbrücken und Strecken von Ungarn nach Auschwitz mit Luftangriffen zerstören können. Der Mord an über 400.000 ungarischen Holocaust-Opfern hätte verhindert werden können."

Der Fall ist gegründet auf eine Durchführungsverordnung vom 22. Januar 1944, die von Präsident Roosevelt unterzeichnet wurde, die die Regierung dazu aufruft, alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um die europäischen Juden zu retten. Die Anwälte behaupten, dass die Verordnung ignoriert wurde, und zwar aufgrund des Druckes einer Gruppe von großen amerikanischen Firmen, inklusive BBH, von der Prescott Bush ein Direktor war.

Lissmann sagte: "Wenn wir ein positives Urteil vom Gericht erhalten, dann wird das [Präsident] Bush große Probleme bereiten und ihn persönlich verantwortlich machen, Schadensersatz zu zahlen."

Die US-Regierung und die Bush-Familie streiten alle Behauptungen gegen sie ab.

Zusätzlich zu Eva Schweitzer's Buch stehen noch zwei weitere Bücher, die auch Prescott Bushs Geschäftsvergangenheit zur Sprache bringen, kurz vor der Veröffentlichung. Der Autor des zweiten Buches, welches nächstes Jahr erscheinen wird, John Loftus, ist ein früherer US-Staatsanwalt, der in den 70er Jahren Nazi-Kriegsverbrecher vor Gericht brachte. Loftus, der jetzt in Saint Petersburg, Florida wohnt und seinen Lebensunterhalt als Sicherheitskommentator für Fox News und ABC Radio verdient, arbeitet an einem Roman, der einige Informationen benutzt, die er über Bush aufgedeckt hat. Loftus betonte, dass die Beziehungen, in die Prescott Bush verwickelt war, nicht unüblich unter amerikanischen und britischen Geschäftsmännern zu dieser Zeit war.

"Man kann Bush nicht mehr für das, was sein Großvater getan hat, verantwortlich machen, als man Jack Kennedy dafür verantwortlich machen kann, was sein Vater getan hat - Aktien der Nazis zu kaufen - aber was wichtig ist, ist die Verschleierung, wie diese so erfolgreich über ein halbes Jahrhundert funktionieren konnte, und ob dies heute Folgen für uns hat", sagte er.

"Dies war der Mechanismus, durch den Hitler finanziert wurde, um an die Macht zu gelangen; dies war der Mechanismus, durch den die Verteidigungsindustrie des Dritten Reichs wieder aufgerüstet wurde; dies war der Mechanismus, durch den Nazi-Profite zurück an die amerikanischen Besitzer geführt wurden; dies war der Mechanismus, durch den Untersuchungen über die Geldwäsche des Dritten Reichs behindert wurden" sagte Loftus, der Vizevorsitzender des Holocaust-Museums in Saint Petersburg ist.

"Die Union Banking Corporation war eine Dachgesellschaft für die Nazis, für Fritz Thyssen", sagte Loftus. &"Zu verschiedenen Zeiten versuchte die Bush-Familie, es zu verdrehen, indem sie sagte, eine holländische Bank würde sie besitzen. Erst als die Nazis Holland einnahmen, begriffen sie, dass nun die Nazis offenkundig die Firma kontrollierten. Bush-Unterstützer behaupten, dass sie aufgrund dessen ihr Geld nach dem Krieg zurück erhalten hätten. Sowohl die Untersuchungen des amerikanischen Finanzministeriums und als auch des Geheimdienstes in Europa widersprechen dem total, es ist absoluter Schwachsinn. Sie wussten die ganze Zeit, wer die endgültigen Profiteure waren."

"Es lebt inzwischen keiner mehr, den man strafrechtlich verfolgen könnte, jedoch sind sie damit durchgekommen", sagte Loftus. "Als ein ehemaliger bundesstaatlicher Staatsanwalt würde ich dafür plädieren, Prescott Bush, seinen Schwiegervater (George Herbert Walker) und Averill Harriman wegen Hilfeleistungen für den Feind strafrechtlich zu verfolgen. Sie blieben im Vorstand dieser Unternehmen mit dem Wissen, dass sie einen finanziellen Nutzen für Deutschland hatten."

Loftus sagte, dass Prescott Bush von den Vorgängen in Deutschland zu dieser Zeit gewusst haben muss. "Meiner Ansicht nach war er ein nicht allzu erfolgreicher Schwiegersohn, der tat, was Herbert Walker ihm sagte. Walker und Harriman waren die beiden bösen Genies, sie kümmerten sich nicht mehr um die Nazis als sie sich um ihre Investitionen mit den Bolschewiken taten."

Was ebenfalls noch umstritten ist, ist wieviel Geld Bush mit seinen Beteiligungen machte. Seine Unterstützer sind der Meinung, dass er einen symbolischen Anteil bekam. Loftus schließt dies aufgrund von Quellen aus dem Banken- und Geheimdienstbereich aus und er behauptet, dass die Bush-Familie durch George Herbert Walker und Prescott 1,5 Million Dollar aus dieser Beteiligung erhielten. Es gibt jedoch keinerlei Beweisdokumente über diese Summe.

Die dritte Person, die über dieses Thema ein Buch drucken lässt, ist John Buchanan, 54, ein Magazin-Journalist aus Miami, der anfing, sich mit den Dokumenten zu beschäftigen, während er an einem Drehbuch arbeitete. Letztes Jahr veröffentlichte Buchanan seine Funde in der ehrenwerten aber auflagenschwachen 'New Hampshire Gazette' unter dem Titel "Dokumente in den National Archiven beweisen, dass George Bush's Großvater mit den Nazis gehandelt hat - sogar nach Pearl Harbor". Er führt dieses Thema weiter in seinem Buch aus, das nächsten Monat unter dem Titel 'Fixing America: Breaking the Stranglehold of Corporate Rule, Big Media and the Religious Right' (Amerika in Ordnung bringen: Den Würgegriff der Firmenherrschaft, großen Medien und der religiösen Rechten brechen; Anm. d. Ü.) erscheint.

In dem Artikel behauptet Buchanan, der größtenteils in der Fach- und Musikpresse mit dem Ruf eines Skandalreporters in Miami gearbeitet hat, dass die "wesentlichen Fakten bereits im Internet und in relativ obskuren Büchern erschienen sind, jedoch von den Medien und der Bush-Familie als undokumentierte Hetzreden abgetan werden."

Buchanan leidet unter Hypermanie, einer Form von manischer Depression, und als er bei seinen anfänglichen Versuchen, die Medien für das Thema zu interessieren, zurückgewiesen wurde, antwortete er den Journalisten und den Vertriebsstellen, die ihn abwiesen, mit einer Reihe von Drohungen. Die Drohungen, die per E-Mail versendet wurden, legen nahe, dass er die Journalisten als "Verräter der Wahrheit" bloßstellen würde.

Es ist nicht überraschend, dass er kurz danach Probleme hatte, seine Anrufe beantwortet zu bekommen. Am schlimmsten waren die verschärften Stalkingvorwürfe in Miami, die in Verbindung mit einem Mann standen, mit dem er sich über die beste Art, seine Funde zu veröffentlichen, zerstritten hatte. Die Anklage wurde letzten Monat fallen gelassen.

Biographie

Buchanan sagte, er bedauere, dass sein Verhalten seiner Glaubwürdigkeit geschädigt hat, doch sein Hauptziel war es, die Publicity für seine Geschichte zu sichern. Sowohl Loftus als auch Schweitzer sagen, dass Buchanan vorher geheimgehaltene Dokumente gefunden hat.

Die Bush-Familie hat kürzlich einer geschönte Biographie über Prescott Bush zugestimmt, der Titel lautet 'Duty, Honour, Country' (Pflicht, Ehre, Land; Anm. d. Ü.) und wurde geschrieben von Mickey Herskowitz. Die Herausgeber, Rutledge Hill Press, versprachen, dass das Buch "sich wahrheitsgemäß mit Prescott Bush's angeblichen Geschäftsbeziehungen mit Nazi-Industriellen und anderen Anschuldigungen beschäftigen würde."

Die Wahrheit ist, die Anschuldigungen werden in weniger als zwei Seiten abgetan. Das Buch bezieht sich auf die Herald-Tribune Geschichte, indem sie sagt, dass "eine Person mit einer schlechter gefestigten Moral in Panik verfallen wäre ... Bush und seine Partner bei Brown Brothers Harriman informierten die Regulatoren der Regierung, dass das Konto, welches in den späten 1930ern eröffnet wurde, 'eine unbezahlte Gefälligkeit für einen Klienten' war ... Prescott Bush handelte schnell und offen im Interesse des Unternehmens; er diente wie es sein unbefleckter Ruf verlangte. Er legte alle Dokumente und Aufzeichnungen offen. Sechs Jahrzehnte später betrachtet, in der Ära der reihenweisen Firmenskandale und zerbrochenen Karrieren, stand er mit weißer Weste da."

Die Prescott Bush Geschichte wurde sowohl von Konservativen als auch einigen Liberalen als, bezogen auf den derzeitigen Präsidenten, nichtssagend verurteilt. Es wurde ebenfalls behauptet, dass Prescott Bush wenig mit Averill Harriman zu tun hatte und dass die beiden Männer politisch entgegengesetzt waren.

Jedoch enthalten Dokumente aus den Harriman Papieren ein schmeichelhaftes Kriegsprofil von Harriman aus dem New York Journal American und gleich daneben in den Akten findet sich ein Brief von Prescott Bush an den Finanzredakteur des Blattes, in dem er der Zeitung zu der Veröffentlichung des Profils gratuliert. Er fügte hinzu, dass Harriman's "Leistung und seine ganze Einstellung eine Quelle der Inspiration und des Stolzes für seine Partner und Freunde waren".

Der Anti-Defamierungsverband in den USA unterstützt Prescott Bush und die Bush-Familie. In einer Stellungnahme aus dem letzten Jahr sagten sie, dass "Gerüchte über angebliche Nazi-'Beziehungen' Prescott Bushs ... in den letzten Jahren sehr verbreitet im Internet waren. Diese Anschuldigungen sind unhaltbar und politisch motiviert ... Prescott Bush war weder ein Nazi noch ein Nazi-Sympathisant."

Jedoch hat eine der ältesten jüdischen Veröffentlichungen des Landes, 'The Jewish Advocate', die Kontroverse im Detail öffentlich dargestellt.

Mehr als 60 Jahre, nachdem Prescott Bush einer kurzen Untersuchung während eines weit entfernten Kriegs unterzogen wurde, muss sein Enkel sich einer anderen Art von Untersuchung entgegenstellen, jedoch einer, die untermauert ist von derselben Auffassung, dass, für manche Leute, Krieg ein profitables Geschäft sein kann.