Stellungnahme Dr. Ron Pauls vor dem US-Kongress
13. Februar 2008
Deutsche Übersetzung: Fufurios / Ruhrpott for Ron Paul

Ich ergreife das Wort, um über das Konzept konkurrierender Währungen zu sprechen. Währung, oder Geld, ist, was die Zivilisation blühen lässt. Wenn es an Geld mangelt, funktioniert der Markt über den Tausch von Naturalien: wenn der Landwirt Schuhe benötigt, muss er seine Eier und seine Milch zum Schuster bringen und hoffen, dass der Schuster Eier und Milch benötigt. Geld macht den Verhandlungsablauf weit einfacher. Statt nach jemandem mit wechselseitigen Bedürfnissen suchen zu müssen, kann der Landwirt seine Milch und seine Eier gegen ein vereinbartes Tauschmittel eintauschen, mit dem er dann Schuhe kaufen kann.
Dieses Tauschmittel sollte bestimmte Eigenschaften zufriedenstellen:
Es sollte haltbar sein, das heisst, es sollte nicht so schnell verschleissen.
Es sollte transportabel sein, das heisst, es sollte leicht zu tragen sein.
Es sollte in Maßeinheiten eingeteilt sein, die es für den täglichen Gebrauch leicht verwendbar machen.
Es sollte wiedererkennbar und einheitlich sein, damit eine Einheit die gleichen Eigenschaften wie jede andere Einheit hat.
Es sollte in wirtschaftlicher Hinsicht begrenzt sein, damit das bestehende Angebot nicht die Bedürfnisse derjenigen befriedigt, die nach ihm verlangen.
Es sollte beständig sein, damit der Wert seiner Kaufkraft nicht wild schwankt und
es sollte reproduzierbar sein, damit genügende Einheiten des Tauschmittels erstellt werden können, um den Bedarf des Austausches zufriedenzustellen.
In der jahrtausende alten Menschheitsgeschichte sind Gold und Silber die zwei Metalle gewesen, die am häufigsten diese Bedingungen erfüllt, das Marktgeschehen überlebt, und das Vertrauen von Milliarden Menschen gewonnen haben. Gold und Silber sind schwer zu fälschen. Eine Eigenschaft, die garantiert, im Handel immer angenommen zu werden. Genau aus diesem Grund sind Gold und Silber ein Fluch für Regierungen. Ein natürlich limitiertes Angebot von Gold und Silber kann nicht aufgeblasen werden und dient demnach als Kontrollmaß für das Wachstums einer Regierung. Regierungen, die unfähig sind, eine Währung zu inflationieren, werden in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt. Sie wären nicht imstande Angriffskriege durchzuführen oder ihre überbesteuerten Bürger mit Brot und Spielen zu besänftigen.
Bei der Gründung dieses Landes gab es keine nationale, regierungskontrollierte Währung. Bis in der Verfassung die Kongressermächtigung zur Prägung von Münzen eingeführt wurde, das war nicht vor 1792, wurden US-Münzen in förmlicher Weise hergestellt. Einstweilen gaben sich Amerikaner mit ausländischen Silber- und Goldmünzen zufrieden. Als die Münzprägung anlief, waren ausländischen Münzen immer noch innerhalb der Vereinigten Staaten im Umlauf, auch noch einige Jahrzehnte danach.

Ich habe auf dem Schreibtisch in meinem Büro ein Schild. Darauf steht: „Nicht stehlen! - Die Regierung hasst Wettbewerb.“ In der Tat: einer Regierung ist es zuwider, die Befugnisse, die sie für sich beansprucht, an die Menschen zurückzugeben. Genauso wie wir uns von einer verfassungsmäßigen institutionellen Nationalverteidigung verabschiedet haben, die aus einer begrenzten Armee, einer unterstützenden Bürgerwehr und einer mit Kaperbriefen und Vergeltungsrecht ausgestatteten Marine bestand, so hat sich das System konkurrierender Währungen in ein regierungsgestütztes Bankenkartell entwickelt, dass die Ausstellung der Währung monopolisiert. Um ein System konkurrierender Währungen einzuführen, gibt es drei Schritte, die unternommen werden müssen, um rechtskräftige Verhältnisse zu erschaffen, die einen Wettbewerb begünstigen.
Der erste Schritt besteht darin Zahlungsmittelgesetze zu beseitigen.
Artikel 1 Sektion 10 der Verfassung verbietet es den Bundesstaaten etwas anderes als Gold und Silber als legale Zahlungsmittel für Schuldzahlungen zu verwenden. Den Bundesstaaten ist es nicht vorgeschrieben Zahlungsmittelgesetze zu erlassen. Sollten sie es sich aussuchen dürfen, wären die einzig annehmbaren gesetzlichen Zahlungsmittel Gold und Silber. Die zwei Edelmetalle, die Menschen überall in der Geschichte und quer durch alle Kulturen als Währung verwendet haben. Allerdings steht nichts in der Verfassung, was dem Kongress die Ermächtigung einräumt Zahlungsmittelgesetze zu erlassen. Wir, der Kongress, haben die Vollmacht Geld zu prägen und seinen Wert zu regulieren, auch den Wert des ausländischen Geldes. Wir haben jedoch keine Ermächtigung es als gesetzliches Zahlungsmittel festzulegen. Jedoch gibt es eine Sektion im US-Code (Bundesrecht der USA, Anm.d.A.), 31 USC 5103, die beinhaltet, US-Münzen und Geld, einschließlich der Zentralbanknoten, als gesetzliches Zahlungsmittel festzulegen.
Historisch gesehen sind Zahlungsmittelgesetze von Regierungen verwendet worden, um ihre Bürger zu zwingen, minderwertige und abgewertete Währungen anzunehmen. Greshamsches Gesetz beschreibt dieses Phänomen, das in einer Phrase zusammengefasst werden kann: dass “schlechtes Geld das gute Geld aus dem Umlauf verdrängt“. Ein Kaiser, ein König oder ein Diktator konnte Münzen mit einer halben Unze Gold prägen und Kaufleute unter Androhung der Todesstrafe dazu zwingen sie anzunehmen, als ob sie eine Unze Gold enthielten. Aus jeder Unze Gold des Königs konnten jetzt zwei Münzen anstelle von einer geprägt werden. Also hatte der König jetzt doppelt so viel Geld um es für Schlösser und Armeen auszugeben. Während diese legal überbewerteten Münzen in den Umlauf kamen, wurden die Münzen, welche eine volle Unze Gold enthielten, aus dem Umlauf genommen und aufbewahrt. Wir beobachteten das gleiche Phänomen Mitte der 60er-Jahre, als die US-Regierung begann ein untergeordnetes Münzgeld aus Kupfer und Nickel statt aus Silber zu prägen. Die Kupfer- und Nickelmünzen wurden legal überbewertet, die Silbermünzen verhältnismäßig unterbewertet und sie verschwanden aus dem Geldkreislauf.
Diese Maßnahmen führten zu den schlimmsten Auswirkungen der Inflation. Die meisten Kaufleute und Landarbeiter, die diese abgewertete Währung erhielten, traf die Auswirkungen der Inflation durch Preiserhöhungen und den gesunkenen Lebensstandard mit voller Wucht, noch bevor sie die neue Währung in die Hände bekamen. Als sie die neue Währung endlich erhielten, hatten sich Preise schon lange verdoppelt und die neue Währung brachte ihnen auch keinen Nutzen.
Ohne Zahlungsmittelgesetze wäre Greschhams Gesetz außer Kraft gesetzt. Wenn Leute frei darüber entscheiden dürften, minderwertige Währung anzulehnen und stattdessen werthaltiges Geld verlangen würden, könnte werthaltiges Geld allmählich in den Gebrauch der Gesellschaft zurückkehren. Kaufleute wären frei gewesen, die Münzen des Königs abzulehnen und nur die Münzen anzunehmen, die ihr volles Metallgewicht enthielten.
Der zweite Schritt zur Wiederherstellung konkurrierender Währungen ist der, Gesetze zu beseitigen, die den Einsatz privater Münzen verbieten. Ein Privatunternehmen, das versuchte, den Gebrauch kostbarer Metallmünzen bekannt zu machen, war "Liberty Services", die Schöpfer des "Liberty-Dollar". Offenbar fühlte sich der Regierungsfilz bedroht, da alle kostbaren Metallmünzen des "Liberty Services" vom FBI und von Secret Service im letzte November beschlagnahmt wurden. Natürlich waren nicht alle diese Münzen im Besitz des "Liberty Services". Viele wurden vertrauensvoll zur Deckung in Silber- und Goldzertifikaten festgehalten, die "Liberty Services" ausstellte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Nicht so die Regierung, die jeglichen Wettbewerb hasst.
Die Abschnitte des US-Bundesrechts, gegen die "Liberty Services" wegen Verstoßes angeklagt wurde, werden irrtümlich als "Gegen Münzfälschung-Gesetze" gesehen. Ihr eigentlicher Zweck war es aber, private Münzanstalten zu schließen, die in Kalifornien gearbeitet haben. Kalifornien schwamm als Folge des Goldrauschs von 1849 in Gold. Es gab jedoch keine US-Münzprägeanstalt um Münzen herzustellen. Es waren auch nicht genügend ausländische Münzen im Umlauf. So sprangen private Münzprägeanstalten in die Bresche, um ihre eigenen Münzen zur Verfügung zu stellen. Wie im Falle anderer Industrien während der progressiven Ära wurden private Münzprägeanstalten letzten Endes beschuldigt, minderwertiges (nicht der Norm entsprechendes) Münzgeld in Umlauf gebracht zu haben. Im Interesse regierungsgeförderter Sanktionsmaßnahmen und Staatsgarantien auf den Reinheitsgrad wurde 1864 der "Coinage Act" verabschiedet, der es privaten Münzprägeanstalten verbot, ihre eigenen hergestellten Münzen als Währung in Umlauf zu bringen.
Der letzte Schritt zur Gewährleistung konkurrierender Währungen ist der, Kapitalgewinne und Ertragssteuern aus Gold- und Silbermünzen abzuschaffen. Unter gegenwärtigem Bundesgesetz gelten Münzen als Sammlerstücke und unterliegen der Kapitalertragssteuer. Kurzfristige Kapitalertragssätze liegen auf der Höhe von Einkommenssteuern, auf bis zu 35%, während Steuern auf langfristige Kapitalerträge mit einem eintreibbaren Satz von 28% versteuert werden. Ferner belasten diese Steuern genau genommen die Geldentwertung. Wenn der Dollar schwächelt, erhöht sich der nominale Dollarwert des Goldes. Die Kaufkraft des Goldes kann verhältnismäßig konstant bleiben. Wenn sich aber der nominale Dollarwert erhöht, hält die Bundesregierung dies für eine Zunahme des Reichtums und besteuert dementsprechend. Je mehr der Wert des Dollar gemindert wird, desto höhere Kapitalertragssteuern müssen für den Besitz von Gold und anderer kostbarer Metalle gezahlt werden.
Genauso schädlich sind Umsatzsteuern und Verbrauchssteuern auf Gold und Silber, die in vielen Bundesstaaten auf Staatsniveau festgelegt werden. Stellen Sie sich vor, Sie müssten jedes mal Umsatzsteuern zahlen, wenn Sie in einer Bank einen 10 Dollar-Schein gegen eine Rolle Vierteldollar für die Wäscherei umtauschen. Inflation ist eine schädliche Steuer für den Wert eines jeden Geldes. Gerade deswegen werden die offiziellen Zahlen abwärts auf 4% pro Jahr manipuliert. In vielen Staaten können für jeden Geschäftsvorgang Umsatzsteuern von 8% oder mehr eingefordert werden, bei dem Verbraucher ihre Federal Reserve-Banknoten gegen Gold oder Silber eintauschen möchten.
Abschließend, Frau Vorsitzende, wird eine Zulassung konkurrierender Währungen es den Marktteilnehmern ermöglichen sich für eine Währung zu entscheiden, die ihren Bedürfnissen entspricht und weniger den Bedürfnissen der Regierung. Die Möglichkeit, dass amerikanische Bürger sich vom Dollar in Richtung alternativer Währungen abwenden, wird für den notwendigen Anstoß sorgen, die Kontrolle über den Dollar zurück zu gewinnen und die Kurs-Abwärtsspirale aufzuhalten. Die Wiederherstellung der Kreditwürdigkeit des Dollars nimmt der Regierung die Fähigkeit die Währung aufzublasen und wird uns davon abhalten, verfassungswidrige Kriege zu führen, die unsere Wirtschaft in enormem Ausmaß belastet. Mit einer gesunden Währung wären wir alle besser dran, nicht nur die, die das Währungssystem steuern. Ich fordere meine Kollegen auf, den Wiederaufbau des Systems konkurrierender Währungen zu überdenken.


















