Verfolgt man die Berichterstattung der Mainstream-Medien zu den US-Vorwahlen, so scheint auf republikanischer Seite kein Vorwahlkampf mehr stattzufinden und McCain sitzt fest im Sattel.
Aber die Darstellung der Medien, dass sich Wählerstimmen-Prozente immer gleich in Delegiertenzahlen für den Nominierungsparteitag fest umrechnen lassen, stimmt so nicht.
Das US-Vorwahlsystem ist wirklich nicht einfach zu verstehen und dazu noch von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich. In dem einen Staat gibt es eine "Primary", im nächsten Staat dagegen einen sogenannten "Caucus". In manchen Staaten findet man auch beides vor, Caucuse können selbst auch wieder verschiedentlichst organisiert sein, mit Conventions auf Bundesstaatsebene und lokal. Und last but not least, gibt es Staaten wo der Gewinner sofort alle Delegierte einstreicht, als auch Delegierte, die nicht an die Vorgabe der Wähler gebunden sind und somit frei Ihren "Lieblingskandidaten" beim Nominierungsparteitag wählen können. Eine gute Zusammenfassung der komplizierten Regeln findet sich -hier-.
Und in diesem schwierigerem Caucus- und Conventionsprozess auf Bundesstaatsebene findet derzeit ein "Delegiertenkrieg" statt, der zwar spannend ist, aber in den Medien überhaupt nicht weitergegeben wird. Und bei diesem "Delegiertenkrieg" verbuchte Ron Pauls Kampagne bereits einige beachtenswerte Erfolge in verschiedenen Bundesstaaten, mit einem Höhepunkt bei der Convention in Nevada vor zwei Tagen.
Was genau passierte bei den Nevada Conventions am 26.04.2008?
Vor Ort waren die Anhänger von McCain, Ron Pauls Leute sowie einige noch unentschiedene Wähler. Ron Paul selbst war auch als Redner anwesend, Romney trommelte für den abwesenden McCain. Nach Augenzeugenberichten sollen vor seiner Rede ca. 40% der Anwesenden Ron Paul Unterstützer gewesen sein, nach seiner Rede sollen noch ca. 10% der Unentschiedenen offen zu ihm gewechselt sein.
Dann hiess es, dass die Anwesenden anhand einer bereits festgelegten Delegiertenliste wählen sollten, woraufhin von den Ron Paul Leuten (regelkonform) eine Neuwahl der Deligierten beantragt wurde, dieser Antrag wurde mit überwältigender 2/3-Mehrheit angenommen. Auch Nicht-Paulianer waren anscheinend sauer, dass Sie bei der Auswahl der Delegierten auf eine vorab festgelegte Liste begrenzt wurden.
Die Ron Paul Leute (bzw. die 2/3 Mehrheit) wurde daraufhin von der GOP-Parteiführung als "Verrückte" tituliert. Ein weiteres Beispiel für die verbreitete Demokratiefeindlichkeit beim Parteiestablishment.
Was dann folgte war eine Farce sondergleichen. Aufgrund des Mehrheitsbeschlusses mussten also die Delegierten für die Convention neu gewählt werden. Insgesamt ging es zunächst um 9 Delegierte der Kongressdistrikte 1,2 und 3 von Nevada, es stehen dem Staat zusammen 31 Delegierte zum Nominierungsparteitag zu. Nachdem die Stimmen fast komplett ausgezählt waren und sich aufgrund der Ergebnisse abzeichnete, dass Paul 7 der 9 Delegierten gewinnen würde, wurde seitens der Parteileitung der Zählprozess einfach abgebrochen. Es wurden auch keine Ergebnisse verkündet, die Zählung wurde einfach gestoppt, offensichtlich weil dass falsche Ergebnis (für die GOP-Parteiführung) herauskam!
Nachdem berechtigterweise Unruhe aufkam, zum Teil wird von anarchischen Zuständen berichtet, wurde seitens der GOP-Führung einfach verkündet, dass leider die Zeit für die Wahl jetzt vorbei sei weil der Raum nicht länger gemietet wurde und die Convention werde verschoben. Nun das klang nicht sehr überzeugend - kann die GOP keine Wahl organisieren innerhalb von 10 Stunden? Und kann man nicht wenigstens die Wahlergebnisse noch veröffentlichen? Parteimitglieder vor Ort konnten sich nicht erinnern, so etwas jemals erlebt zu haben.
Aber die kleine Revolution in Nevada war damit noch nicht vorüber. Ein gewisser Mike Weber, Republikaner der selbst auch Delegierter werden wollte, übernahm kurzerhand die Führung und bewies Kenntnis der Rechtslage sowie Fairneß (er war kein Paul-Anhänger). Denn solange genug Wähler da waren, konnte der Wahlprozess fortgesetzt werden, auch ohne GOP-Führung. Denn schließlich waren die Leute aus dem gesamten Bundesstaat extra angereist, zum Teil mehrere hundert Kilometer und mit hohen Kosten verbunden. Zudem ergab ein kurzes Nachfragen bei der Hotelleitung, dass es völlig ok sei den Raum noch 3 Stunden länger zu belegen(die GOP-Führung hatte sich also nicht besonders angestrengt in dem Punkt).
Die McCain-Leute, die in der Unterzahl waren, zeigten dann ihr Verständnis von einem demokratischen Prozess. Bei der Auszählung der anwesenden Personen zogen sie sich zurück und verließen teilweise den Raum. Man sieht sie aber gleichzeitig abwartend am Rande stehen, ganz so, als wollten sie im Falle einer Abstimmung dann doch wieder mitmachen. Also: Die Abstimmmung grundsätzlich ablehnen, indem man sich selbst nicht zählen läßt. Aber gleichzeitig, wenn es dann doch zu einer Abstimmung kommen sollte, mit abstimmen wollen.
Im Endeffekt gab es keine Delegiertenwahl, ein Novum. Es wird sich zeigen welche Tricks sich die GOP-Führung für die verschobene Wahl einfallen läßt.
Anbei ein TV-Bericht des Lokalsenders KOLO 8 TV dazu:
Steve Watson von Prisonplanet berichtet u.a. auch über die Convention, auch mit vielen Videoeindrücken vom Ort des Geschehens (sehr interessant die revolutionäre Stimmung live mitzuerleben).
Zur Recherche der weiteren Erfolge in diesem Delegierten-Auswahlprozess empfehle ich die spannende Serie "Delegate Wars" bei NolanChart.




